Cattenom – Tick tack bumm?

Was würde passieren, wenn ein Flugzeug in das französische Atomkraftwerk Cattenom reinkrachen würde? Wären alle Sicherheitsvorkehrungen vorhanden, damit es nicht zu einer Kernschmelze und infolgedessen zu einer totalen humanitären Katastrophe kommt?

Foto: pixabay.com / Tetzemann

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Das französische Kernkraftwerk Cattenom ist nur 60 Kilometer von Saarbrücken entfernt. Die Reaktoren wurden zwischen 1986 und 1992 in Betrieb genommen und sind damit schon über 30 Jahre alt. Das ist nicht nur alt, sondern auch sehr gefährlich – denn das nach Fessenheim zweitälteste Kernkraftwerk in Frankreich hat laut mehreren unabhängigen Organisationen viele Sicherheitsmängel. Doch der Betreiber hat ein baldiges Abschalten noch nicht beschlossen.

Atomenergie in Frankreich

In Frankreich ist die Kernenergie sehr verbreitet. Ab den 1970er Jahren wurden viele neue Atomkraftwerke gebaut, da Frankreich mit dem sogenannten Messmer-Plan eine Stromproduktion aus Uran beschloss, um die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern. In den 1970er und 1980er entstanden so viele neue Atomkraftwerke. In Frankreich war man im Vergleich zu anderen Ländern schon immer toleranter gegen Atomkraft, die Atompolitik des Staates war in der Bevölkerung weites gehend anerkannt.

Anfang der 1970er Jahre war nur 8 % der Stromproduktion in Frankreich durch Kernenergie produziert worden. Heute wird ungefähr 75 % des Stromes in Frankreich durch 58 Reaktoren produziert. Diese sind im Land verteilt: es gibt auch zentral gelegene Atomkraftwerke, doch die meisten sind am Meer oder an den Staatsgrenzen. Die Kernkraftwerke sind meistens entfernt von Paris.

Alle diese Reaktoren werden durch EDF (Énergie de France) betrieben, ein staatlich dominierter Elektrizitätskonzern. EDF monopolisiert Frankreichs Elektrizitätsmarkt, fast der ganze Strom wird von EDF produziert und verkauft. Dies fördert eine einheitliche Strompolitik, was meiner Meinung nach sehr negativ zu betrachten ist.

Der französische Staat führt seit Jahren eine sture Atompolitik und sieht einen Atomausstieg im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch in weiter Ferne. Die Bundesregierung hat zum Beispiel den Atomausstieg 2011 nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima für 2022 beschlossen. Die Gefahren der kernspaltungsbasierten Stromerzeugung wurden erkannt.

Das Atomkraftwerk

Kernspaltung als Stromerzeugung bringt viele Gefahren mit sich. Im unwahrscheinlichen Fall eines Terroranschlags, bei dem ein größeres Flugzeug in den Reaktor Cattenoms abstürzt oder ein menschlicher Fehler der Mitarbeiter könnte einen sogenannten GAU (Größter Anzunehmender Unfall) mit Kernschmelze erzeugen.

Dieser könnte eine hohe radioaktive Verstrahlung erzeugen, die den Menschen im Umkreis von 100 oder mehr Kilometern das Leben unmöglich macht. Im schlimmsten Fall müssten Luxemburg, Lothringen, das Saarland und weitere Gebiete evakuiert werden. Die Gebiete um das Atomkraftwerk wären mehrere Jahrzehnte lang unbewohnbar. Das alles klingt einfach nur schrecklich, doch das alles kann durchaus passieren und dieses Problem sollte nicht unbeachtet bleiben.

Anzumerken ist, dass bei der Atomenergie auch viel verstrahlter Restmüll entsteht, den man nirgendwo optimal entsorgen kann. Unsere Gegend ist nicht sehr seismisch, doch das AKW Cattenom ist nur bis einer Erdbebenstärke von 5,4 sicher. Cattenom hat außerdem noch viele andere Sicherheitsmängel, im AKW gibt es seit Jahren immer wieder Zwischenfälle und Störungen.

Seit mehreren Jahren fordern auch saarländische und luxemburgische Politiker die Abschaltung des maroden AKW. Luxemburg hat sogar schon Geld als Gegenleistung für die Abschaltung angeboten. In den 1980er gab es im Saarland Proteste gegen den Bau Cattenoms. Auch heutzutage gehen viele im Saarland für die Abschaltung auf die Straße. Doch eine Abschaltung ist nicht in naher Zukunft geplant.

Egal wie diese Geschichte endet, kann man nur hoffen, dass Cattenom uns nicht um die Ohren fliegt, sondern bald abgeschaltet wird.

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