Kommentar: Die Schattenseite der Schuldemokratie

Schuldemokratie?

Foto: Tumisu / pixabay.com

Wie jedem Oberstufenschüler dieses Jahr aufgefallen sein sollte, hat unsere diesjährige Schülervertretung eine Menge organisatorischer Projekte offen, die bei vielen Schülern für Verwirrung sorgen.

Egal ob es um die Abifahrt geht, auf die kaum jemand mitwill, das Design der Abi-Pullis, die höchstens einmal getragen werden, die Mottowoche, während der sowieso niemand nüchtern genug sein wird, um sich über die Kostüme Gedanken zu machen, oder die neuesten Abstimmungen zur grundlegenden Änderung unseres Schulsystems, die SV hat momentan viel um die Ohren.

Wahlversprechen und wer ihnen Glauben schenkt

Fangen wir doch einfach mal mit dem letzten dieser Punkte an: Seit Jahren ist am DFG die Rede davon, den Schulsamstag abzuschaffen oder die Mittagspause zu verlängern. Dass von solchen Änderungen eigentlich niemand wirklich profitieren würde, da es nur mehr, und längeren Nachmittagsunterricht bedeuten würde, müsste eigentlich offensichtlich sein. Der Gedanke, dass ab jetzt die Fünftklässler darüber abstimmen, ob der Unterricht für alle bald bis 17 Uhr geht, ist ja an sich schon grausig genug, aber diese Diskussion zieht sich ohne Übertreibung schon immer durch jede neue SV-Generation. Man sollte meinen, dass sich das Thema irgendwann erledigt hätte.

Um die Aufmerksamkeit aber wieder auf den wahren Fokus der SV zu lenken: das Abitur.

Die Abiturienten und ihre Probleme

Es hat durchaus den Anschein, dass unsere Schülervertretung sich dieses Jahr ganz besonders viele Sorgen um die Organisation unserer zahlreichen Abiturtraditionen macht. Die Abifahrt, zum Beispiel, hat nur etwa ein Drittel der Schüler wirklich überzeugen können. Ob das nun an dem ohnehin schon hohen Preis, der langen Fahrt, dem eher… einseitigen Zielort oder dem persönlichen Charme des Kommitees liegt, ist schwer zu sagen. Fakt ist: Die Kosten für die Fahrt werden allem Anschein nach noch um Einiges steigen, da der Preis auf immer weniger Schüler verteilt wird. Das bereits erwähnte Kommitee setzt zurzeit alles daran, uns die Reise schönzureden.

Das Kostümdebakel

Die allseits beliebte Mottowoche vor dem Abitur ist nun ebenfalls wieder im Gespräch, da einige Kostümenthusiasten mit den Ergebnissen der ersten Themenabstimmung wohl Probleme haben. Während die meisten Schüler die Verkleidungsthemen nur registriert und dann vergessen haben oder schon daran denken, ihre geniale Kostümidee einfach trotzdem umzusetzen, plädiert eine laute Minderheit der Schüler jetzt für eine Neuwahl. Von der undemokratischen Idee hinter diesen Aufrufen mal abgesehen, muss man doch wirklich einmal sagen, dass die Aktion den Aufstand wirklich nicht wert ist.

Ob ich nur das Motto  »Horror » oder  »Kindheitshelden » auswähle, am Ende sind die meisten Schüler sowieso wieder betrunken oder interressieren sich nicht für die Aktion. Die permanente Problematisierung solcher Nichtigkeiten und die häufig persönlichen und vulgären  »Diskussionen » in den Klassen oder auf WhatsApp sprechen nicht gerade für eine Neuwahl.

Akademikerbekleidungen

Um bei unwichtigen Kleinigkeiten und Modeerscheinungen zu bleiben, sollten wir noch kurz von unseren Abi-Pullovern sprechen. Die Idee eines Pullovers für unseren Jahrgang scheint zwar ganz nett, aber mit Ausnahme der Tatsache, dass es Abi-Pullis geben soll, ist sich noch niemand wirklich einig, was das überhaupt werden soll. Zurzeit wird etwa über ein deutsch-französisches Motto der Kollektion diskutiert, wenn möglich mit kreativem, zweisprachigem Wortwitz. Falls sich unter euch zufällig ein paar begabte Komiker befinden, dann schickt der SV doch einfach mal einen Vorschlag. Oder tut etwas Wichtigeres wie schlafen, ein Buch lesen oder fernsehen.

Das Verleihungschaos

Das Abitur ist ein wundervolle Sache. Es eröffnet uns zahllose Möglichkeiten, unsere Zukunft zu gestalten, und markiert einen neuen Lebensabschnitt. Da ist es durchaus verständlich, den Vorgang der Abiverleihung etwas spektakulärer gestalten zu wollen. Ob das Mieten einer riesigen Halle samt Cateringservice, teuren Getränken und generischer Musik dafür wirklich nötig ist, ist allerdings eine ganz andere Frage. Ein teures Eintrittsticket ist es sicherlich nicht. Und die zahlreichen Finazierungsansätze von Kuchenverkauf bis Globus-Einpackhilfe stoßen zuweilen nur auf wenig Begeisterung. Eine erneute Preiserhöhung ist also hier ebenfalls ersichtlich, und es wird wohl auch eine  »Blacklist » für Schüler geben, die sich nicht an der Finazierung beteiligen wollen, damit diese Abiturienten noch mehr Geld für ihren eigenen Abschluss zahlen können.

Ich persönlich werde mir mein Abi vermutlich aus dem Sekretariat holen, und damit bin ich dieses Jahr bestimmt nicht allein.

2 commentaires

  • Avatar Niklas Scheer

    Hallo Kian/ camaeleon Team,
    Wie ich sehe, bist du mit der Arbeit der SV in diesem Jahr nicht zufrieden, aber ich möchte dich daran erinnern dass die SV die Gesamtheit der Schüler des dfg vertritt und nicht nur die Oberstufe und somit primär eigentlich nicht mit Abiturvorbereitung beschäftigt ist. Des Weiteren ist sie auch nicht für die Organisation der Abifahrt, Abifeier und Begleiterscheinungen zuständig, sondern die einzelnen Komitees. Also könntest du dir doch mal überlegen anstatt dich nur zu beschweren selbst Verantwortung zu übernehmen und den Abiturjahrgang 2020 damit zu unterstützen einem Komitee beizutreten anstatt dich nur über Probleme aufzuregen. Wir sind alle nur Menschen und machen das auch zum ersten Mal also kein Wunder, dass nicht alles perfekt und zu deiner Zufriedenheit läuft. Aber du scheinst ja tolle Verbesserungsvorschläge zu haben also bringe dich vielleicht mal ein bisschen ein und erleichtere uns allen diese schwierige Phase der Vorbereitung:)

    • Kian Dier Kian Dier

      Hallo Niklas/SV-Team
      Ich würde zuerst gerne darauf hinweisen, dass mein Artikel rein satirischer Natur ist und mit mehreren bewusst überspitzten und provokativen Aussagen gefüllt ist. Nichtsdesdotrotz hast du natürlich Recht. Ich bin in der Tat unzufrieden. Allerdings denke ich nicht, dass ich durch die Beteiligung an einem Kommitee meine Beschwerden einfach vergessen könnte.
      Mein Artikel sollte ursprünglich kein persönlicher Angriff auf euch als SV oder die Veranstaltungen sein, die von euch mit-organisiert werden (obwohl man das sicherlich auch herauslesen könnte).
      Was ich kritisieren wollte, ist vielmehr ein Grundsatzproblem, das ich bereits in meiner gesamten Zeit am DFG beobachtet habe. Und zwar das öffentlich mangelnde Interesse der Schüler für Projekte (wie die Abifahrt, die Abiverleihung, etc…) und vor allem die Uneinsichtigkeit der Verwaltung darüber.
      Ein großer Teil der Schüler hat weder besonderes Interesse an eurer Arbeit, noch an den Zielen die sie verfolgt, und diese Schüler sind nach endlosen Diskussionen und Vorträgen über eben diese nurnoch gelangweilt und frustriert.
      Ich wollte im Kern nur diesen Frust zum Ausdruck bringen.
      Mit freundlichen Grüßen, Kian.

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