Umsonstläden in Deutschland und in Frankreich: Tauschen, Teilen, Teamarbeit

Foto: Gerd Altmann. Pixabay.com

Foto: Gerd Altmann. Pixabay.com

Trucothèques Metz und Umsonstladen Trier. Zwei Läden, zwei unterschiedliche Motivationen: Wunsch nach Nachhaltigkeit in den Trucothèques Metz. Christliche Nächstenliebe im Umsonstladen Trier.

Trotz aller Unterschiede haben beide Orte etwas gemeinsam: Sie wollen der Gesellschaft helfen, sich weiterzuentwickeln, zu teilen, um anderen zu helfen. Kurz: Sie wollen die Welt zu einem etwas besseren Ort machen!

 

 

Umsonstladen Trier

Umsonstladen Trier (Foto: Williams)

 

Umsonstladen Trier – eine Herzensangelegenheit

Ein Laden, bei dem es fast alles von Kleidern bis zu Möbeln gibt – umsonst oder für nur wenig Geld: Ein Umsonstladen. Das Prinzip besteht darin, dass Menschen ihre nicht mehr benötigten Sachen im Umsonstladen abgeben können und diese wiederum werden an Menschen gegeben, die gerade Hilfe brauchen.

Claudia Williams leitet solch einen Umsonstladen in Trier. Ihr Mann als Pastor und der Vorstand der Gemeinde des lebendigen Gottes Trier (eine freie evangelische Kirchengemeinde) gründeten ihn 2006, da Gott sie darum gebeten habe, sich um die Ärmsten der Stadt zu kümmern und die Stadt zu entlasten. Die Überzeugung, diesen Laden zu leiten, fällt auf die christliche Nächstenliebe zurück: “Wir sind als Gesellschaft dazu verpflichtet, denen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können”, so Williams.

Erfahrung von Familie und Respekt

Da die Organisatoren keine Einnahmen haben, freuen sie sich sehr auf freiwillige Spenden, aber sie erledigen auch Wohnungsräumungsarbeiten, Mini-Umzüge und Entrümpelungen, damit sie den Laden unterhalten können. Außerdem besteht der komplette Ladentrieb aus ehrenamtlichen Helfern und aus Menschen, die Sozialstunden ableisten. Diese können dort in familiärer Atmosphäre erfahren, dass sie respektiert werden, obwohl sie im Leben einmal daneben gehauen haben.

“Wir hatten hier Leute mit Depressionen, denen wir gesagt haben: ‘Komm und arbeite ehrenamtlich hier, denn wenn du jemandem hilfst, dann wird dir geholfen’”, erzählt die Leiterin des Umsonstladens. “Ohne unsere ehrenamtlichen Helfer geht es einfach nicht und wir sind sehr dankbar, dass wir sie haben”.

Die Kundschaft ist sehr vielfältig und kommt aus allen sozialen Schichten. Es kann etwa sein, dass jemand gerade so mit seinem Geld hinkommt (Miete, Kinder). Aber dann geht etwas Essenzielles kaputt (Waschmaschine, Spülmaschine) und es ist kein Geld vorhanden, etwas Neues zu kaufen. Dann geht man in den Umsonstladen.

Statistik 2019 der weitergegeben Dinge

Statistik 2019 der weitergegeben Dinge (Quelle: Umsonstladen Trier)

Oder man ist aus einem fremden Land, sucht Asyl und braucht beispielsweise Kleidung. Claudia Williams erzählt: “Ich hatte Leute hier gehabt, die kamen barfuß im Winter, weil sie keine Schuhe hatten.”

Überschüssige Kleidung wird nicht weggeworfen, sondern geht an eine Firma, die mit der Deutschen Krebsgesellschaft arbeitet oder ins Ausland, wo Kinderheime in Afrika beliefert werden.

Nicht alle Sachen, die Leute bringen, werden angenommen: “Wir hatten schon Leute, die haben ihren Hausmüll in eine Bananenkiste reingesteckt, haben dann ein paar Spenden und Klamotten obendrauf gelegt und wir durften dann die ganze Sauerei entfernen. Oder Leute, die uns kaputte Möbel vor die Tür gelegt haben.”

Wie viele Leute geben überhaupt ihre Sachen ab? Claudia Williams sagt, dass sie von Leuten, die Kleidung abgeben wollen, viel zu viele hätten. Deshalb gibt es manchmal auch einen Annahmestopp für Bekleidung.

“Durch Corona misten die Leute aus und bringen uns wirklich alles!” meint die Betreiberin des Umsonstladens. Manchmal findet sie Spenden ziemlich grenzwertig: “Letztens hatten wir eine tote Maus in den Schuhen drinliegen, zerbrochene Glasscherben und solche Sachen.” Von Haushaltsgegenständen und Möbeln könnten die ehrenamtlichen Organisatoren wiederum mehr gebrauchen.

Ort der Völkerverständigung

Der Alltag im Umsonstladen trägt auch zur Völkerverständigung bei, wie Williams berichtet: “Ich bin Deutsche, aber ich habe jüdische Wurzeln. Man weiß ja, dass Iraner und Israelis ziemlich im Clinch miteinander liegen. Wir haben sehr viele Asylbegehrende, die aus dem Iran und aus Syrien kommen, beziehungsweise aus Arabisch sprechenden Ländern. Ich trage immer meinen kleinen Davidstern um den Hals. Man kann also erkennen, dass ich dazu eine Beziehung habe.

Einmal kam eine iranische Frau, die bestimmt schon 70 Jahre alt war. Sie hat gefragt, ob sie etwas mehr als die fünf Teile mitnehmen dürfe, die normalerweise mitgenommen werden dürfen. Denn sie hätte Familie im Iran und würde am nächsten Tag abgeschoben werden und dann würde sie doch nicht gerne mit leeren Händen kommen.

Als Muslimin von jemandem meiner Abstammung etwas zu erbitten, kann sehr beschämend sein. Da habe ich zu ihr gesagt: ‘Man Claudia hastam’. Das ist Persisch und bedeutet: ‘Ich heiße Claudia’. Sie schaute mich an, weil ich ihre Sprache gesprochen habe. Dann sagte ich ihr, dass sie natürlich mehr mitnehmen könne und dass ich ihr einen Koffer geben könne, den sie füllen und mitnehmen könne.

Sie kam dann auf mich zu und umarmte mich ganz doll. Das war für mich wirklich ein schöner Moment, weil vor Gott alle gleich sind und die Herkunft da einfach nicht gezählt hat. Es zählte einfach nur das Menschsein. Das fand ich sehr schön”, freut sich Claudia Williams.

Eines ist also völlig klar: “Der Laden ist eine wirkliche Herzensangelegenheit!”

Les Trucothèques – Trois espaces de gratuité à Metz

En France aussi, il existe des magasins gratuits. A Metz, ils sont au nombre de trois : il s’agit des Trucothèques de Metz Bellecroix, Metz Outre-Seille et Metz Borny qui ont été créées par l’assocation Motris.

Mais que peut-on faire exactement dans une Trucothèque ? Pourquoi ces magasins gratuits ont-ils vu le jour ? Comment peuvent-ils fonctionner sans entrée d’argent ? Si vous voulez en savoir plus, regardez l’interview d’Olivier Rudez, un des fondateurs de Motris et des Trucothèques, que Camäléon a réalisée pour vous.


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