“Wasser ist ein Menschenrecht.” : Nestlé und das Wasser

Foto: Fabius Leibrock

2-3 Liter Wasser sollen wir pro Tag zu uns nehmen. Das wären ungefähr zwei 1,5L Flaschen an stillem oder kohlensäurehaltigem Wasser. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé verkauft mit seiner Produktpalette “Pure Life” sowie 77 weiteren Marken genau solches Wasser. Doch das größte Industrieunternehmen der Schweiz gerät mit seinem in Plastikflaschen abgefüllten Wasser immer wieder in die Kritik.

Im September 2013 erschien “Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser”, ein Dokumentarfilm, der zeigt, wie der Schweizer Konzern mit Trinkwasser Geschäfte auf Kosten der Armen macht und dabei Milliarden verdient. Wie auch in damaligen Interviews, teilt man mir auf Anfrage bei Nestlé mit, dass der Dokumentarfilm “älter[…], extrem einseitig[…] und manipulativ[…]” sei. Anschließend verweist man mich auf die FAQ-Seite.

Doch wieso gerät Nestlé immer wieder in die Schlagzeilen?

Nestlé besitzt weltweit Wasserrechte, auch in Regionen, in denen Dürre herrscht, beispielsweise Nigeria und Äthiopien. Das Subunternehmen “Nestlé Waters” macht jährlich mehr als 7 Milliarden Euro Umsatz mit dem Verkauf von in Flaschen abgefülltem Tafelwasser, das aus dem Grundwasser abgepumpt wird und somit nicht unter die Wasserschutzgesetze einiger Länder fällt.

Logo von “Nestlé Pure Life”

Mineralwasser kommt bei uns grundsätzlich aus Deutschland – auch Nestlés “Pure Life”, das die saarländische Lebensmittelmarktkette Globus im Gegensatz zu REWE in seinen Warenhäusern verkauft, kommt aus deutschen Quellen. Raimund Esser, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation bei der REWE Markt GmbH, bestätigt mir dies: “Wir haben die Produktpalette “Pure Life” im Frühsommer 2017 in allen deutschen REWE Märkten ausgelistet. Insofern können Sie nur noch vereinzelt in REWE Märkten Restkontingente dieses Wassers finden, die noch abverkauft werden. Ansonsten führen wir das Produkt nicht mehr.” Ob dies an den erhobenen Anschuldigungen gegen Nestlé liegt, bleibt ungewiss, denn REWE kommuniziert “grundsätzlich nicht öffentlich über unsere Lieferanten”.

Ob man jetzt den Dokumentarfilmen Glauben schenkt, sei mal so dahin gestellt. Nestlé tut nichts Verbotenes, gar Illegales. Das Schweizer Unternehmen hält sich an Gesetze und beachtet Regeln, übernimmt nachweislich Verantwortung und gewann 2015 sogar den “Corporate Water Stewardship”-Award. Für mich jedenfalls hört sich der Slogan auf der Nestlé Webseite “Wasser ist ein Menschenrecht.” wie eine Entschuldigung an.

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