Ist weniger Plastik wirklich Meer?

Ist weniger Plastik wirklich Meer?

Foto: kakuko / pixabay.com

ein Gastbeitrag von Marion Gérold, Lison Decker, Ambre Fraisse, Maëlle Mondo-Matoke, Léana Montana, Pia Schader, Anne-Sophie Veck

Die Plastiktüte – ein in den letzten Jahren oft diskutiertes Thema. Für die Unternehmen sind sie eine relativ günstige Werbefläche, für die Natur, so wird oft behauptet, eine Katastrophe.
In einigen Ländern hat sich bereits gezeigt, dass sich Plastiktüten recht leicht aus dem Verkehr ziehen lassen. In Deutschland haben Rewe und Kik die Tüten bereits komplett verbannt, bei H&M, Tschibo, C&A und Media Markt beispielsweise muss man nun für eine Tüte zahlen. Karstadt verlangt, je nach Größe der Tüte, zwischen 5-30 Cent, das Kaufhaus Kaufhof will nachziehen.

Dieses Vorgehen soll dazu beitragen, die Umwelt zu schonen, denn man weiß, dass Plastik biologisch nur sehr schwer abbaubar ist. Viel zu viel Plastik endet in der Natur, vor allem auch im Meer und damit auch in den Mägen mancher Tiere oder aber als Mikroplastik in den Zellen der Meeresbewohner und damit in der Nahrungskette – und so letztlich auch im Blut der Menschen.

Der Kunststoff, je nach Art der Zusammensetzung, zersetzt sich laut Schätzungen erst in bis zu 500 Jahren oder noch länger. So hat sich in den Ozeanen bereits ein neuer Kontinent gebildet, „le 7ème continent de plastique“, der bereits die Größe Europas erreicht hat. An manchen Stellen gibt es jetzt sogar schon mehr Plastik als Plankton und im Jahre 2050 wird es im Ozean mehr Plastik geben als Fische, wenn sich der Verbrauch und die Entsorgung von Plastik nicht ändern. Eine erschreckende Bilanz und Prognose!

Deutschland steht im internationalen Vergleich noch recht positiv da; der durchschnittliche Verbrauch liegt bei etwa 198 Tüten pro Kopf im Jahr. Noch gibt es keine einheitliche Gesetzeslage dazu, jedoch möchte man das Plastiktütenaufkommen weiter reduzieren – der Umwelt zuliebe.

Als umweltfreundlichere Alternative wird oft die Papiertüte genannt. Ist diese jedoch, wenn auch biologisch besser abbaubar, tatsächlich weniger umweltbelastend? Geht diese Frage vielleicht an den eigentlichen Ursachen vorbei und beschäftigt sich nur mit den Symptomen?

Im Folgenden wird das Pro und Kontra des zu diskutierenden Themas abgewogen: „Ist weniger Plastik wirklich Meer?“

Kontra Plastiktüte

Gegen die Verwendung der Plastiktüte lässt sich erst einmal sagen, dass die Plastiktüten umweltschädlich sind, weil bereits die Entsorgung problematisch ist, da Plastik, wie bereits erwähnt, nur sehr schwer biologisch abbaubar ist. So braucht eine Plastiktüte beispielsweise mehr als 25 Jahre um zu verrotten. Und es werden jährlich etwa 310 Milliarden kg/Plastik produziert, während jedoch zum Beispiel in Europa 2014 nur 25,8 Millionen Tonnen Plastik tatsächlich recycelt wurden.

Außerdem gelangen viele Abfälle einfach ins Meer, was für die Natur, jedoch letztlich auch für den Menschen schädlich ist. Viele Tiere essen Plastiktüten, weil sie sie für Nahrung halten und sterben mit vollem Magen. So töten die Plastikabfälle 1,5 Millionen Tiere pro Jahr. Daraus resultiert jedoch auch eine große Gefahr für den Menschen: Das Mikroplastik in den Zellen der Fische gelangt dadurch, das wir die Fische essen, ebenfalls in unsere Zellen. Weiterhin werden Plastiktüten aus Rohstoffen erstellt, die endlos sind. So braucht man für die Herstellung einer durchschnittlichen Einkaufstüte aus Plastik (20g) rund 50 Milliliter Erdöl.

Letztlich ist es jedoch vor allem auch das unverantwortliche, verschwenderische Verhalten vieler Menschen, ihre Konsumhaltung, die die oben genannten Fakten noch verschlimmert. Meistens wird eine Tüte nur ein einziges Mal, als sogenannte „Einwegtüte“, benutzt. Die Folge ist ein weltweiter, unfassbar hoher Verbrauch an Plastiktüten von einer Million Tüten pro Minute!

Pro Plastiktüte

Wenn man sich gegen die Plastiktüte ausspricht, sollte man sich jedoch erst einmal bewusst machen, dass Plastiktüten durchaus richtig entsorgt werden können. Sie sind grundsätzlich recycelbar. Trotzdem landen viel zu viel Plastiktüten im Biomüll. Wenn jeder seinen Müll richtig trennen würde, würden auch weniger Plastiktüten im Meer landen. Es fehlt vielerorts vor allem das Bewusstsein für die Umweltprobleme und damit einhergehend auch das fehlende Wissen hinsichtlich Mülltrennung und -recycling. Dieses Wissen und eine entsprechende Schulung des Umweltbewusstseins würde hinsichtlich der Entsorgung bereits vieles verbessern.

Des Weiteren ist die Produktion von Plastiktüten wenig energieintensiv. So verbraucht die Herstellung von Plastiktüten weitaus weniger Energie und Rohstoffe (hier sei vor allem auch Wasser genannt) als die der Papiertüten. Die Produktion von Plastiktüten ist also im Grunde weniger schädlich ist als die der Papiertüten, weswegen eine Papiertüte dreimal häufiger verwendet werden müsste als eine Plastiktüte, um die gleiche Ökobilanz zu erreichen.

Tatsächlich ist die Herstellung einer Plastiktüte auch emissionsärmer, weil sie viel weniger schädliche Stoffe freisetzt als die der Papiertüte, für deren Produktion nämlich Zellstofffasern benötigt werden, die mit vielen Chemikalien behandelt werden. So enthält eine Plastiktüte „nur“ Polyethylen während eine Papiertüte auch Stickoxide, Polypropylen und Schwefeldioxid enthält. Auch wissen die Wenigsten, dass auch die zweite Alternative, die Baumwolltragetasche nicht direkt umweltfreundlicher ist, sondern erst nach vielfacher Wiederverwendung. Denn die Baumwollbeutel haben enorm hohe Emissionswerte bei der Herstellung. Während bei der Erstellung der Papiertüte etwa 60 Gramm Kohlendioxid ausgestoßen werden, sind es bei einer Plastiktüte etwa 120 und bei einer Baumwolltasche sogar 1700 Gramm.
Außerdem lässt sich das Herstellungsverfahren stets verbessern. Es gibt zum Beispiel bereits Bioplastiktüten, die aus Mais hergestellt werden und viel umweltfreundlicher sind: Von einer solchen Bioplastiktüte, die in der Natur verrottet, ist nach 80 Tagen nur noch 10% übrig.

Offensichtlich ist die Frage „Ist weniger Plastik wirklich Meer?“ nicht leicht zu beantworten. Doch scheint es zumindest so, als seien Plastiktüten besser als ihr Ruf?! Wie stehst du also nun zur Plastiktüte?

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