Break Me. Again. ~ Kapitel 3

Break Me Again

Foto: Daniel Friesenecker / pixabay.com

Ein Spind neben mir wurde lautstark zugeschmissen. Der laute Knall hallte noch ein paar Sekunden in meinem Kopf weiter, dann drückte ich die Tür langsam zu.

“Ciao, Anne!” Ich seufzte leise und drehte mich dann zu ihr um.

“Monika, hi. Ich wusste gar nicht, dass du italienisch gewählt hast”, sagte ich möglichst überzeugend. Sie kicherte, ich schloss meine Augen ein paar Sekunden.

“Nein, ich hab’ französisch mit Frau Münzterling. Aber du kennst doch Jasper, oder?” Autsch. Jasper, der Junge, auf den meine Schwester stand, ging mit deren bester Freundin aus.

“Ja, wieso?” Meine Stimme war belegt und ich musste mich räuspern, weil das Kratzen in meinem Hals so weh tat.

“Er hat mich heute zu sich nach Hause eingeladen! Ich glaube er mag mich total”, schrie sie mir ins Ohr, während sie ihre Arme wie Schlingen um mich zog. Ihr Parfüm stank, ich hatte das Gefühl, meine Nase wurde weggeätzt. Das einzige, was ich herausbekam, war, dass ich mich für sie freuen würde. Und selbst das klang eher wie dahingesagt.

“Ich muss jetzt. Informatik!” Sie verdrehte die Augen und ich winkte ihr nur halbherzig hinterher. Sie hatte noch zwanzig Minuten bis zum Stundenbeginn. Schon allein das reichte mir um zu wissen, dass sie nicht an einer ‘echten’ Freundschaft interessiert zu sein schien.

Ich habe noch genau 23 Minuten Zeit. Lust auf ‘ne Runde Trivial? – gesendet: vor 2 Minuten, Von: _MatthEward04_

Als ich seine Nachricht las, musste ich lächeln. Ich verstand nicht, wie er es anstellte, aber er musste immer in den passenden Momenten eine Bemerkung machen, um mich auf andere Gedanken zu bringen.

Klar, was fragst du da noch? 😀 – gesendet: jetzt, Von: Mir

***

“Anne, was ergibt x in dieser Rechnung?”, fragte Frau Lother mich mit genervter Stimme und sah mir mit ihren bechergroßen Brillengläsern entgegen.

“Fünfhundertzwölf.”

“Fünfhundertzwölf was? Kartoffeln? Bratpfannen?”, lachte sie und sah auffordernd durch die Klasse. Als würde sie jemanden suchen. Ich sah sie nur an und wartete auf ihre spitze Bemerkung, wappnete mich für das Gelächter der Mädchen. Aber das kam nicht. Frau Lother schrieb meine Antwort auf. Der Lärmpegel stieg immer mehr und irgendwann verstand man weder, was die Lehrerin sagte, noch welche Frage einem von seinem Sitznachbarn gestellt wurde.

“Hä?”, schrien die Jungs durch den Raum und ihre Freunde antworteten mit genauso geistreichen Aussagen.

Die Mädchen hinter mir unterhielten sich über ihre Haustiere und darüber, welches und wieviel Futter die jeweilige Rasse bräuchte.

“RUHE, verdammt!”, schrie unser Französisch-Genie Maurice-Phillipe lautstark.

“Oh, unser armes Mauricechen hat Angst um seine Intelligenz”, spotteten sie.

“Geh’ doch zu deiner Mama, du Baby!”

“Ja, genau. Fräulein Körner hätte bestimmt Zeit für dich, du bist ja schließlich das einzige Kind, dass sie noch hat, stimmt’s? Die letzten drei hatten wohl auch keinen Bock mehr auf euch!” Maurice rannte aus dem Raum, wahrscheinlich auf die Toilette. Er tat mir leid, denn das mit seiner Mutter stimmte teilweise. Frau Körners Körper hatte ihre letzten Embryos abgestoßen. Echt traurig, da sie nur Maurice hatte, nach dem überraschenden Tod ihres Lebensgefährten.

“Lasst ihn doch einfach mal in Ruhe, ihr Kotzbrocken!”

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